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Der Ökohof in Auterwitz gilt als
eines der Vorzeigeprojekte bei der sachgerechten Sanierung der alten Bauernhöfe. |
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Die guten Ackerböden in der heutigen Lommatzscher Pflege lösten eine frühe Entwicklung bäuerlicher Ansiedlungen aus. Typisch sind kleine Hofgruppen, oft in flachen Talmulden gelegen, die auf slawische Gründungen zurückgehen.
Ausgedehnte Dörfer dagegen, wie sie anderswo zum Beispiel durch die deutsche Besiedlung ab dem 12. Jahrhundert anzutreffen sind, gibt es nur wenige. Die fruchtbare sanft gewellte Landschaft einer Region hat ihren eigenen und unverwechselbaren Siedlungscharakter geprägt. Die Zahl der Bauernhöfe in den meist abgelegenen Dorfflecken wuchs über die Jahrhunderte hin nur gering. Umso mehr entwickelte sich durch steigende Erträge die Größe der vorhandenen Wirtschaften - und das in einem Maß, wie es anderswo kaum zu verzeichnen ist.
Die Lommatzscher Pflege war nicht nur die Kornkammer Sachsens, sondern sie gehörte zu den leistungsstärksten Landwirtschaftsgebieten Deutschlands. Der Typus des überdurchschnittlich großen und repräsentativen Bauernhofes wurde zu ihrem Symbol.
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Besonders deutlich haben die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten sechs Jahrzehnte das über tausend Jahre hin gewachsene Lebens- und Wirtschafts- gefüge der Menschen in der Lommatzscher Pflege verändert. Die Enteignungswelle und Bodenreform 1945, die politische Drangsalierung der großen Bauern nach 1950, die staatlich durchgesetzte Kollektivierung 1960 und die landwirtschaftlichen Umstrukturierungen nach 1970 veränderten nicht nur die Methoden in der Landwirtschaft, sondern in gleichem Maße auch das Bewusstsein der Menschen und den Charakter ihrer Lebenswelt, der Weiler und Dörfer. Viele Drei- und Vierseithöfe wurden überflüssig und verfielen. Der Innen- und Außenbereich der Ortschaften wurde oft rücksichtslos verändert. Einfamilienhäuser und industrieartige Landwirtschaftsanlagen schossen aus dem Boden und beeinflussten die noch bestehenden traditionellen dörflichen Gefüge.
Nur ein geringer Teil der ursprünglichen Bauernhöfe ist in der Lommatzscher Pflege erhalten geblieben. Umso mehr sind die Beispiele hervor zu heben, bei den nach 1990 eine sachgerechte Sanierung gelungen ist. Die Bauherren haben Zeichen gesetzt. Sie sollten als Anregung verstanden werden, Häuser, Höfe und Ortsbilder im Sinne einer traditionsreichen einmaligen Region mit Engagement weiter zu gestalten. Im Folgenden werden die drei Hauptgruppen ehemaliger Bauernhöfe in der Lommatzscher Pflege kurz beschrieben:
Große Bauernhöfe über 35 ha Bewirtschaftungsfläche
Die einst zum Symbol der Lommatzscher Pflege gewordenen großen Höfe, die Höfe der so genannten “Samtbauern”, sind in ihrem Bestand am problematischsten. In den meisten Fällen sind nur noch Einzelgebäude erhalten geblieben; viele Hofstellen sind bereits ganz verschwunden. Unter den noch vorhandenen Wohnstallhäusern und Nebengebäuden gibt es Beispiele, die zu den größten ihrer Gattung zählen. Ihre Bauweise war traditionell schlicht, solide und weithin auf den Zweck ausgerichtet. Bis in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts herrschte der für Mittelsachsen typische Fachwerkbau vor. Den Geltungsansprüchen mancher großer Bauern genügten allerdings in zunehmendem Maß die einfachen herkömmlichen Gebäudeformen nicht mehr. Das gealterte und nutzungstechnisch mittlerweile unpraktisch gewordene Wohnstallhaus löste ein repräsentativer Bau ab, der hin und wieder sächsischen Herrenhäusern gleichkam. Beispiele finden wir in Pulsitz und Pröda.
In Pröda existierten bis in die neunziger Jahre drei Vierseithöfe und ein Großgutweiler in nahezu unveränderter traditioneller Form. Leider wurde durch Umbauten die gestalterische Qualität der ursprüngliche Bauweise gemindert. Von den ganz großen älteren und baulich geschlossenen Vierseitanlagen kann der Hof Nr. 6 in Käbschütz bei Planitz-Deila genannt werden. In Noßlitz befindet sich ein gestalterisch bemerkenswerter Bauerhof, der nach einem Brand 1792 in Fachwerkbauweise einheitlich neu errichtet wurde und noch gut erhalten ist.
Mittlere Höfe 10 ha bis 35 ha Bewirtschaftungsfläche
Von den Bauernhöfen der mittleren Kategorie, der früher bestimmenden Betriebsgröße, ist quantitativ mehr erhalten geblieben als bei der Gruppe der großen Höfe. Ihre Verfallsproblematik ist jedoch in der Lommatzscher Pflege gravierender als anderswo in Sachsen. Die Nutzung, besonders für Wohnzwecke, nahm durch den starken Strukturwandel und das Sinken der Beschäftigungszahlen im betrachteten Gebiet ab, so dass ein beachtlicher Teil dieser Höfe und Häuser leer steht und ihre Zukunft offen ist. Wie auch bei der Gruppe der großen Höfe sind erhebliche Verluste an Scheunen und Nebengebäuden zu beklagen. Allerdings setzt die Zahl der ortstypisch sanierten Einzelhäuser und auch ganzer Höfe ein gutes Zeichen. Als Beispiele sind die Anlagen Piskowitz Nr. 7, Planitz Nr. 1 und der Pfarrhof in Leuben zu erwähnen.
In regionstypischer Form wurden alle Gebäude des Hofes Nr. 5 in Mettelwitz wiederhergestellt. Es ist gelungen, die Atmosphäre eines mit Bedacht geführten Bauernhofes wieder aufleben zu lassen: Die Ställe sind belegt und die Scheune befindet sich in landwirtschaftlicher Nutzung. Der bäuerliche Betrieb wird im Nebenerwerb weitergeführt. - Der inzwischen baulich älteste und nahezu unversehrt erhalten gebliebene Vierseithof der mittleren Größenordnung existiert in Eulitz Nr. 16.
Kleine Bauernhöfe und Häuser von Häuslern und Gärtnern unter 10 ha Bewirtschaftungsfläche
In dieser Hof- und Hausgruppe spiegelt sich ein bemerkenswerter Bestandteil der alten Sozial- und Besitzstruktur zumeist innerhalb der größeren Ortschaften wieder. Die kleinen Bauernhöfe sind durch ihre überschaubare Größe und die gute Wohnmöglichkeit für zumeist nur eine Familie weitgehend erhalten geblieben. Baumaßnahmen ließen sich hier, vielfach als Eigenleistung, am ehesten realisieren. Allerdings fielen durch fehlende baugestalterische Beratung viele ursprüngliche Fassaden individuellen Modernisierungsmaßnahmen zum Opfer. Paradoxerweise sind die ehemals kleinsten bäuerlichen Wirtschaftsanlagen und die der Häusler und Gärtner in ihrer Substanz so gefährdet wie die Gruppe der großen Höfe. Die Ursachen sind in den kleinen Abmessungen und ihrer einfachen Bauart zu suchen. Eine zeitgemäße Nutzung ist kaum möglich. Die Raumhöhen entsprechen längst nicht mehr unseren Körpergrößen und die Konstruktionen erfüllen nicht im Mindesten die heute geltenden Vorschriften und privaten Anforderungen.
Als Beispiel für einen kleinen Bauernhof wäre die Anlage Birmenitz Nr. 19 zu nennen. Eine Wohnstatt einfacher Menschen im alten Dorfgefüge ist das Haus Eulitz Nr. 11. Seit 1990 gibt es etliche und teilweise sehr aufwendige Bestrebungen, die bauliche Identität der Lommatzscher Pflege zumindest in einem gewissen Rahmen wieder herzustellen. Die Bedingungen sind allerdings durch die beschriebenen starken strukturellen Veränderungen weitaus schwieriger als anderswo in Sachsen. Ausgewählte Orte und Ortsbereiche sollten bei der Entwicklung eine besondere und vorbildhafte Rolle spielen. Deutliche praktische Schritte zur erforderlichen Verbesserung der baugestalterischen Situation vieler Dörfer sind dringend notwendig.
Manfred Hammer Dipl.-Ing. Architekt
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