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Zahlreiche archäologische
Funde geben Aufschluss über die Geschichte der Region |
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Eine dauerhafte Besiedlung erfolgte erst seit der Zeit um 600, als nach dem Abzug der Germanen westslawische Stämme, für die sich die Bezeichnung "Sorben" eingebürgert hat, aus Böhmen in die verlassenen offenen Landschaften einwanderten.
Im ausgehenden 8. Jahrhundert fand diese Bevölkerungs-bewegung ihren Abschluss. In diesen zweihundert Jahren entwickelten sich aus den ursprünglich mehr oder weniger getrennt voneinander existierenden Einzelsiedlungen größere Siedlungs- kammern, die schließlich im Laufe des 8. Jahrhunderts zu einer relativ geschlossenen politischen Einheit zusammenschmolzen. |
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Es entstanden die so genannten Slawengaue. In unserem Gebiet, der Offenlandschaft mit dem Herzstück der Lommatzscher Pflege, bildete sich jener Gau heraus, der von den Slawen Glomaci, von den Deutschen Daleminzien genannt wurde. Sein Zentrum befand sich aller Wahrscheinlichkeit nach in einem spätestens in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts auf dem jetzigen Kirchberg angelegten Burgwall, der als Ursprung der Stadt Lommatzsch gelten kann. Von allen Slawengauen zwischen Saale und Elbe stellte Daleminzien wegen seiner hohen Bodenfruchtbarkeit das größte, am dichtesten bevölkerte und bedeutsamste sorbische Siedelland dar, wobei die einzelnen Ansiedlungen selbst aber nur von geringer Ausdehnung sind.
Am Beginn des 10. Jahrhunderts erfuhr die lange behauptete politische Selbständigkeit der Daleminzier ihr jähes Ende. Auf einem Feldzug nach Böhmen überfiel das Heer des deutschen Königs Heinrich I. im Frühjahr 929 ihr Land und erstürmte nach vorheriger Belagerung ihre Fluchtburg, erschlug die Krieger und deren Führer und setzte die Frauen und Kinder gefangen. Unmittelbar danach ließ Heinrich I. auf einem Hügel an der Mündung der Triebisch in die Elbe eine Befestigung erbauen, die zur Keimzelle der Stadt Meißen wurde. Zur Sicherung ihrer Herrschaft gründeten die deutschen Eroberer aber nicht nur die Burg Meißen, sondern errichteten im besetzten Gebiet eine ganze Reihe von Befestigungen als Militär- und Verwaltungsstützpunkte. Von diesen Burgen aus beherrschten und kontrollierten sie jeweils bestimmte Regionen, die als Burgbezirke oder Burgwarde zugleich die untersten administrativen Einheiten bildeten.
Nach dem Einfall der Fremden, die dem christlichen Glauben anhingen, erfolgte durch sie auch die Christianisierung der unterworfenen "heidnischen" Slawen. In politischer Hinsicht gehörte das Lommatzscher Land nach der Eroberung durch die Deutschen zur Mark Meißen, im kirchlichen Bezug zum 968 gegründeten Bistum Meißen. Im 11. Jahrhundert begannen deutschen Feudalherren, aber auch ritterliche Dienstmannen im Sorbenland mit der Errichtung eigener Herrschaftssitze, verbunden mit Vollmachten über ihr Land der dort ansässigen Menschen und um 1150 setzte hier die deutsche bäuerliche Kolonisation und die Entstehung von Städten ein. Im Laufe der Zeit ist es dann zu einer Verschmelzung zwischen der vorhandenen sorbischen und der zugewanderten deutschen Bevölkerung gekommen. Für die Städtebildung waren neben rechtlichen Voraussetzungen vor allem die allgemeine Bevölkerungszunahme, die durch die deutsche Kolonisation einen mächtigen Auftrieb erfuhr und die damit einhergehende gesellschaftliche Arbeitsteilung maßgebend.
Während die Dörfer weiterhin Zentren der Nahrungsmittelproduktion blieben, waren die Städte Mittelpunkte des Handwerks und des Handels. Das gilt auch für Lommatzsch, dessen Gründung als Stadt auf die Zeit um 1200 zurückgeht. Diese Funktion, Dienstleister und Produzent von Gebrauchs-gütern für das agrarisch geprägte Umland zu sein, hat die Stadt jahrhundertelang beibehalten. Auch deshalb hat sie ihren Charakter als typisches Landstädtchen nie verloren. Mit dem weiteren Landesausbau ging die Entwicklung der ehemaligen Sorbengaue in der wettinisch-sächsischen und deutschen Geschichte auf. Folgerichtig fanden dann auch landes- und reichsweite geistig kulturelle Bewegungen hier ihren Niederschlag wie etwa die Reformation, deren Einführung in Lommatzsch 1539 und im Umland in den Jahren danach erfolgte.
Aber auch von landesweiten Seuchen und Kriegen ist die Lommatzscher Pflege nicht verschont geblieben. Menschenverluste in den Pestjahren 1347-1352, 1607, 1613-1614, 1626, 1631-1633, Plünderungen, Brandschatzungen, Einquartierungen und hohe Kontributionen in Kriegszeiten, so 1429 im Hussitenkrieg, 1449 im "sächsischen Bruderkrieg", 1637, 1642 und 1644 im Dreißigjährigen Krieg, im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) und im antinapoleonischen Befreiungskrieg (1813) haben immer wieder großes Leid über Land und Leute gebracht. Dennoch haben die Menschen hier nie verzagt und wenigstens die materiellen Verluste relativ rasch wieder wettgemacht, wozu die Leistungskraft der Landwirtschaft gewiss erheblich beigetragen hat.
Seit der Unterwerfung der Sorben hatten sich die Rechtsauffassungen und die Wirtschaftsweise der Deutschen durchgesetzt. Weder existierte Leibeigenschaft noch Gutsuntertänigkeit. Allerdings hatten die Bauern Abgaben zu entrichten und Dienste zu leisten, das Gesinde auch Zwangsdienst. Als sich in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts den Bauern die Möglichkeit bot, an einer jetzt steigenden Marktproduktion teilzuhaben, sie diese aber wegen der feudalen Belastungen nicht ausreichend wahrnehmen konnten, begannen sie unter dem Einfluss der Französischen Revolution im Sommer 1790 offen zu rebellieren. Ausgangspunkt war die Lommatzscher Pflege, von wo aus sich der Aufruhr zu einem "Sächsischen Bauernaufstand" ausweitete. Die Rebellion hatte keinen Erfolg. Die Forderungen der Bauern sollten sich erst viel später, und zwar im Zuge der Agrarreformen im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts, erfüllen. Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts erneut gegen die Obrigkeit aufbegehrt wurde, nämlich in der Revolution von 1848/49, wo es darum ging, bürgerliche Rechte und Freiheiten in einer demokratischen Verfassung durchzusetzen und gleichzeitig die deutsche Einheit herzustellen, waren auch die Menschen hierzulande, allerdings vor allem Städter, wieder aktiv. So eilten im Mai 1849 auch 200 Kommunalgardisten aus Lommatzsch den Verfassungskämpfern in Dresden zu Hilfe.
Das 19. Jahrhundert war auch das Säkulum der industriellen Revolution. In der agrarisch geprägten Lommatzscher Pflege zeigte sich diese neue Entwicklung jedoch nicht im Aufbau großer Industrieanlagen, sondern in einer zunehmenden Mechanisierung der Landarbeit und einer immer besseren maschinellen Ausstattung des Handwerks. Daran änderte auch die Anbindung der Region an das sächsische Eisenbahnnetz nicht viel (1877, 1880; Schmalspurbahn 1909, 1911). Die bedeutendste Folge war die Errichtung eines Glaswerkes in Lommatzsch (1897), das allerdings während der Weltwirtschaftskrise wieder schließen musste. Aber wenigstens die Glasbearbeitung hat seither ihren Platz im gewerblichen Profil der Stadt behalten. Ansonsten haben sich von den kleinen Werkstätten nur zwei bis drei im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu mittelständischen Betrieben entwickelt. Sofern Neugründungen erfolgten, dienten sie dem Bau landwirtschaftlicher Anlagen oder der Verwertung von Agrarprodukten. Es waren damals schwierige Verhältnisse, ein schlimmes Ereignis folgte dem anderen; denn die Wegmarken jener Zeit hießen: Revolution (1918), Inflation (1922/23), Wirtschaftskrise (1929/32), Zusammenbruch der bürgerlich-demokratischen Weimarer Republik (1933) und totalitäre Herrschaft der Nationalsozialisten (1933/45). Für Investitionen war das Klima nur in wenigen Jahren etwas günstiger (1924/29, 1936/39). Auch von Kriegen war das 19. und 20. Jahrhundert nicht frei. Aber während der Deutsch-Österreichische Krieg (1866), der Deutsch-Französische Krieg (1870/71) und der 1. Weltkrieg (1914-1918) fernab ausgefochten wurden, kehrten am Ende des 2. Weltkrieges kam es am vorletzten Apriltag in Lommatzsch zu einem furchtbaren Verbrechen. Ausländische Zwangsarbeiter und ein ostpreußischer Flüchtlingsjunge wurden von einer Abteilung Waffen-SS unter dem Vorwurf der Plünderung zusammengetrieben und erschossen. Insgesamt 36 Menschen sind dieser Mordaktion, neun Tage vor Kriegsende, zum Opfer gefallen.
Nach dem Krieg gehörte die Lommatzscher Pflege zur sowjetischen Besatzungszone und mit der Staatsgründung im Herbst 1949 zur Deutschen Demokratischen Republik. Die neue Regierung trat mit dem Anspruch auf, eine sozialistische Gesellschaft errichten zu wollen. Um dieses Staatsziel zu erreichen, bedurfte es grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen. Im Agrarsektor war die Entwicklung zunächst durch die mit der Enteignung von Großgrundbesitzern und Großbauern verbundene Bodenreform, später durch die Bildung Landwirtschaftlicher Produktionsgenossen- schaften gekennzeichnet, von denen in unserer Region die ersten schon 1952 entstanden. Seit den sechziger Jahren erfolgte ein Zusammenschluss zu größeren Einheiten, wobei die Verselbständigung von Tier- und Pflanzenproduktion eine wichtige Rolle spielte. Im gewerblichen Bereich verlief die Entwicklung ähnlich. Enteignete Unternehmen wurden in Volkseigene Betriebe überführt und später Kombinaten zugeordnet. Gärtnereien und Handwerksbetriebe wurden ebenfalls genossenschaftlich organisiert. Einige Inhaber konnten hier aber auch ihre Selbständigkeit bewahren. Krisenfest war das neue Gesellschaftssystem allerdings nicht. In der ersten Krise, im Juni 1953, wo es andernorts zu Streiks und Massendemonstrationen kam, blieb es hierzulande relativ ruhig. Erst während der zweiten Krise, im Herbst 1989, regte sich auch hier Protest als Teil einer Volksbewegung, die knapp ein Jahr später zur deutschen Wiedervereinigung führte.
Dr. sc. phil. H. Plaul
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KULTURGESCHICHTE |
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Zahlreiche Kulturdenkmäler sind lebendige Zeugen vergangener Zeiten ...
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SCHMALSPURBAHN |
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Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstand im Zuge der industriellen Entwicklung in Sachsen ein umfangreiches
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ARCHÄOLOGIE |
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Auf einer Fläche von etwa 300 km² sind bis heute etwa 650 archäologische Kulturdenkmäler bekannt. .
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